Man fühlte sich erinnert an das legendäre Finish zwischen Le Glorieux und Kamiros vor vielen Jahren im Preis von Europa in Köln. Damals wurde Le Glorieux als vermeintlicher Sieger gefeiert und bereits mit der Schleife geschmückt. Doch Kamiros hatte gewonnen.
Nach dem 38. Benazet-Rennen, dem mit 50.000 Euro dotierten Gruppe III-Rennen über 1200 Meter am Samstag in Baden-Baden hatten viele die Hachtsee-Stute Etoile Nocturne als Siegerin gesehen.
Deren Jockey William Mongil jubelte gemeinsam mit dem Team um Trainer Werner Baltromei. Die Begleitpferde des Veranstalters umrahmten die Stute bereits. Doch Rennkommentator Manfred Chapman beendete dieses Schauspiel mit der harten Wahrheit.
“William no chance”, sagte er gegenüber Mongil durchs Mikrofon. Denn der unbestechliche Richterspruch zeigte doch Stall Sunnys von Pavel Vovcenko trainierten Contat (Foto links) und Jockey Rastislav Juracek als hauchdünnen Nase-Sieger. “Was ist passiert?”, wirkte Mongil völlig verdutzt.
Beim 23. Start markierte der enorm gesteigerte, etwas startschwierige Sechsjährige seinen siebten Triumph. Vorausgegangen war ein echter Thriller, in Anwesenheit des vermeintlichen Favoriten Abadjinn.
“Er hatte wegen einer leichten Verletzung ein Medikament bekommen. Daher musste ich ihn abmelden, vielleicht startet er in zwei Wochen in Italien in einem Listenrennen”, erklärte Trainer Torsten Mundry.
Fast das halbe Feld hatte im Einlauf noch Chancen. Etoile Nocturne drehte in der Bahnmitte groß auf, auch Contat wurde immer zwingender, ehe ganz außen Key to Pleasure auf Touren kam, während die Pilotin Best Joking abbaute.
Man glaubte die Stute schon in Sicherheit, doch genau auf der Linie hatte Contat die Nüstern vorne. Sicherlich ein verdienter Sieg des Diktat-Sohnes gegen die enorm stark laufende Lady und den wieder einmal ganz stark laufenden Key to Pleasure.
Der heiße Favorit Smooth Operator kam erst spät ins Rennen und raufte sich nur auf den vierten Rang. Von ihm hatte man sich doch mehr erwartet, doch wirkte er auch nicht glücklich. “Er war ja Jahresdebütant als Dreijähriger gegen die älteren Pferde, aber er hatte auch keinen idealen Rennverlauf, stieg am Start”, sagte Mario Hofer. Auch von Aturo, der hinter Florentiner Sechster wurde, dem Aufsteiger New Fan und Lips Arrow gingen keine Impulse aus.
“Contat ist nicht mehr so schwierig wie früher, er hat toll gekämpft, dabei war der Boden nicht ganz passend. Wo wir weitermachen, ist noch offen”, freute sich Siegtrainer Pavel Vovcenko.
Und Jockey Rastislav Juracek erklärte: “Ich hatte gehofft, dass wir gewonnen hatten. Jetzt fliege ich nach Budapest, um dort Proud Boris zu reiten, danach komme ich wieder nach Iffezheim. Mit White Lightning war ich hier schon einmal in einem Gruppe-Rennen erfolgreich”